Streit um Kandahar-Abfahrt in Garmisch
Die Kandahar-Abfahrt auf dem Hausberg in Garmisch-Partenkirchen gehört zu den traditionsreichsten Strecken im alpinen Skizirkus und ist bereits seit 1970 Gastgeber für Weltcup-Rennen. Auch in Zukunft soll die Kandahar-Abfahrt in Garmisch eine der wichtigsten Pisten für Maria Riesch, Lindsay Vonn & Co bleiben, zunächst bei der Ski alpin WM im Februar 2011 und einige Jahre später bei Olympia 2018, sofern die gemeinsame Bewerbung von München und Garmisch den Zuschlag für das sportliche Großereignis bekommen sollte. Diese Pläne des Ski-Weltverbandes FIS, des Münchner Bewerbungskomitees und der örtlichen Organisatoren könnten jedoch von einigen Grundstücksbesitzern aus Garmisch durchkreuzt werden.
Garmisch-Partenkirchen, Skiurlaub und der Wintersport sind eigentlich untrennbar miteinander verbunden. Dennoch weigern sich insgesamt 58 Landwirte, ihre Grundstücke auf oder an der Kandahar-Abfahrt zur Verfügung zu stellen. Nach zähen Verhandlungen konnte nun immerhin erreicht werden, dass die Ski alpin WM 2011 im Februar planmäßig auf der Kandahar stattfinden kann, beim Thema "Olympia 2018" zeigen die Grundstücksbesitzer aber weiterhin keine Gesprächsbereitschaft. Für München und Garmisch könnte dieser Umstand zum Super-GAU werden, da dem IOC, das für die Vergabe von Olympia 2018 zuständig ist, bis spätestens 11. Januar 2011 alle offiziellen Unterlagen vorliegen müssen - einschließlich der angedachten Strecken und Sportstätten.
Dabei befindet sich lediglich die Wiese eines einzelnen Landwirtes direkt auf der spektakulären Kandahar-Abfahrt, die alljährlich viele Zuschauer in die Garmisch Hotels lockt, um den Ski-Weltcup in Deutschland live an der Strecke mitzuerleben. Das Problem ist jedoch, dass mit allen Eigentümern eine Einigung erzielt werden muss, da die Grundstücke beim IOC als Parkflächen und Sturzräume nachgewiesen werden müssen. Nach aktuellem Stand der Dinge könnte der Streit um die Kandahar-Abfahrt in Garmisch schlimmstenfalls in eine Enteignung münden, da die Benennung eines Ersatzortes als unwahrscheinlich gilt. Ein fader Beigeschmack bleibt in jedem Fall aber auch auf Seiten der Landwirte zurück, da sich in den vergangenen 40 Jahren niemand an den Rennen auf der Kandahar störte, so dass der jetzige Widerstand eng mit dem Verdacht der öffentlich-medialen Profilierung verbunden ist.
Kai Rebmann
Datum: 21.12.2010
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